^Zurück nach oben

foto1 foto2 foto3 foto4 foto5


Die Aufgabe des Publikums war an diesem Abend nicht auf das reine Zuhören beschränkt, sondern es wurde aktiv ins Konzert miteinbezogen. Bei der Filmmusik „Ghostbusters“ beispielsweise war es gefordert, an besagten Stellen „Ghostbusters“ zu rufen und somit den instrumentalen Teil der Filmmusik zu vervollständigen. Ein zentrales Werk, das sich der Dirigent Josef Retter eigens für den Abend erdacht hatte, war die „Orchester-App“. Mithilfe eines Smartphones, das vom ersten Klarinettisten Manuel Storck bedient wurde, ließen sich das Orchester und das Auditorium steuern. Klassische Musiktitel wurden im Menü ausgesucht, schnell, langsam, vorwärts und rückwärts gespielt, die Lautstärke wurde geregelt, die Pause-Taste ausprobiert und die Schunkel-Funktion betätigt. Der Reiz eines Live-Konzerts, bei dem sich die MusikerInnen und das Publikum gegenseitig animieren und verstärken, war an diesem Abend spür- und erlebbar.

Der große Unterhaltungswert ging mit einem hohen musikalischen Niveau des Orchesters einher. Erst durch die Qualität der musikalischen Darbietung war es möglich, dass der Spaß nicht zu kurz kam. Dass das Orchester auch ernsthaft kann, wurde mehr als deutlich. Bei Tschaikowskys „Krönungsmarsch“, das Retter als Eröffnungsstück ausgewählt hatte, zeigte sich die Klasse des Klangkörpers. Aber auch in der zeitgenössischen symphonischen Blasmusik sind die MusikerInnen zuhause. Mit „Lord Tullamore“, das ein Stück für Orchester der Oberstufe ist, beschrieb es mit strahlenden Passagen des hohen Blechs und in gefühlvollen Momenten die irische Seele. „Funk Attack“, das der Komponist Otto M. Schwarz gegenüber Josef Retter als Alten-Schinken bezeichnete, wurde neues Leben eingehaucht.

An diesem Abend verschwammen die Grenzen zwischen Ernster- und Unterhaltungsmusik sowie zwischen Rock und Klassik. Unzählige musikalische Genres wurden bedient, von finnischen Volksweisen bis zu Billy Joels Welthit „Root-Beer-Rag“. Ebenfalls wurde „Amazing Grace“ in unterschiedlichen stilistischen Gewändern variiert. In einer maßgeschneiderten Fassung für das Orchester wurden Klassik-Melodien in einem Popsound intoniert und die Olympiahymne von 1992, „Barcelona“, dargeboten. Hier zeigte sich einmal mehr, dass Josef Retter ein Tausendsassa ist. Neben seiner Arbeit als Dirigent, Komponist und Arrangeur überzeugte er am Saxophon und bildete mit Florian Bayer an der Trompete und am Flügelhorn das Duett von Monserat Cabalier und Freddy Mercury nach.

Das Orchester wurde auch wieder in diesem Jahr durch einen Sänger unterstützt, die Wahl war auf Gerald Dinis gefallen. Zunächst sang er ein Medley aus Michael-Bublé-Hits. Durch seine (im besten Sinne) aalglatte Interpretation zog er das Publikum in seinen Bann und baute hohe Erwartungen auf seinen zweiten Auftritt auf. Er war schließlich als „Voice of Elvis“ angekündigt. Seine GI-Uniform, die er als Bühnenoutfit wählte, komplettierten seinen leidenschaftlichen Auftritt als Elvis Presley. Damit ging der offizielle Teil eines abwechslungsreiches und einmaliges Konzerterlebnis zuende. Die MusikerInnen um Josef Retter wurden erst nach mehreren Zugaben von der Bühne entlassen.

Doch das nächste Konzertevent mit dem Berstädter Blasorchester lässt nur ein gutes halbes Jahr auf sich warten. Am 24. und 25. Mai 2019 lädt es gemeinsam mit der Harmonika BigBand, Wölfersheim Live und weiteren SängerInnen zu „Classic meets Pop II“ in die Wölfersheimer Wetterauhalle ein.